Gibt ein Unternehmer sein Unternehmen auf, verlangt das Finanzamt eine Aufgabebilanz wegen Beendigung der geschäftlichen Tätigkeit. Unabhängig davon, ob der Unternehmer nun Selbstständiger oder Freiberufler war oder Geschäftsführer einer Personen- oder Kapitalgesellschaft, ist eine Aufgabebilanz zu erstellen. Selbst zuvor nicht bilanzierungspflichtige Unternehmen sind verpflichtet, bei Unternehmens Aufgabe oder Verkauf zur Bilanzierung zu wechseln.

Die Erstellung einer Aufgabebilanz

Laut § 16 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 Satz 1 EStG ist bei einer Betriebsaufgabe der Wert des Betriebsvermögens durch eine Aufgabebilanz zu ermitteln und zu einem bestimmten festgelegten Zeitpunkt zu erstellen. Dieser Zeitpunkt sollte möglichst zum Ende der Aufgabe der betrieblichen Tätigkeiten gewählt werden. Der erzielte Veräußerungsgewinn oder Veräußerungsverlust muss dabei in dem Jahr der Veräußerung der Einkommenssteuer unterzogen werden.

Anleitung zur Ermittlung des Veräußerungsgewinns

veraeusserungsgewinnWenn ein Gewinn bei der Veräußerung eines Gewerbebetriebes zustande kommt, muss es in die Einkommenssteuer einfließen (§ 16 EStG).
Dies gilt ebenso:

  • beim Verkauf von Mitunternehmeranteile einer Personengesellschaft
  • beim Verkauf eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft
  • beim Verkauf eines Betriebsteils

Dabei muss der Anteilseigner zu mindestens 1 % in den letzten 5 Jahren an dem Unternehmen beteiligt gewesen sein.
Freiberufler müssen den Veräußerungsgewinn bei Geschäftsaufgabe oder bei Veräußerung desselben oder beim Verkauf von Teilen des Unternehmens diese ebenso als Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit versteuern (§ 18 Abs. 3 EStG).
Ein erzielter Veräußerungsgewinn gehört nicht zum Gewerbeertrag und unterliegt somit nicht der Gewerbesteuer. Ausgenommen davon sind Kapitalgesellschaften. Da umsatzsteuerlich eine nicht steuerbare Geschäftsveräußerung vorliegt, ist der Veräußerungsgewinn von der Umsatzsteuer befreit.

Im angeführten Muster wird ein Geschäft zu einem Kaufpreis von 130.000 Euro inklusive des kompletten Inventars veräußert, welches zuvor im Besitz eines Personenunternehmens, eines Freiberuflers oder eines Selbstständigen war. Vereinfacht ermittelt sich der Veräußerungsgewinn in einer Aufgabebilanz durch den erzielten Veräußerungspreis abzüglich der Buchwerte des Betriebsvermögens und der eventuell durch die Veräußerung entstehenden Kosten.

Aufgabebilanz Beispiele:

Aktiva (Aktivseite der Bilanz)

  • GWG´s 800,00 Euro
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung 19.000 Euro
  • PKW 30.000 Euro
  • Forderungen 4.000 Euro
  • Kasse/Bank 10.000 Euro
  • Summe: 63.800 Euro

Passiva (Passivseite der Bilanz)

  • Eigenkapital 40.000 Euro
  • Rückstellungen 800 Euro
  • Verbindlichkeiten 3.000 Euro
  • Darlehen 20.000 Euro
  • Summe 63.800 Euro

Somit beträgt nach dieser Vorlage der Aufgabebilanz das positive Vermögen 63.800 Euro. Nach Abzug aller Schulden (Rückstellung in Höhe von 800 Euro zuzüglich Verbindlichkeiten in Höhe von 3.000 Euro und dem Darlehen in Höhe von 20.000 Euro) errechnet sich in diesem Muster ein Reinvermögen in Höhe von 40.000 Euro, welches in dieser Anleitung auch gleichzeitig dem Eigenkapital entspricht. Bei einem erzielten Verkaufspreis von 130.000 Euro wird in diesem Beispiel ein Gewinn von 90.000 Euro erzielt (130.000 Euro – 40.000 Euro). Diese 90.000 Euro unterliegen voll der Einkommenssteuer. Auf Antrag können Unternehmer, welche das 55. Lebensjahr vollendet haben oder Unternehmer, welche dauernd berufsunfähig sind, einen Freibetrag in Höhe von 45.000 Euro lt. § 16 Abs. 4 EStG beantragen, wenn der Veräußerungsgewinn 136.000 Euro nicht übersteigt. Der Freibetrag reduziert sich bei einem höheren Veräußerungsgewinn jeweils um den Betrag, der die Grenze von 136.000 Euro übersteigt. Somit verfällt der Freibetrag bei Veräußerungsgewinnen von 181.000 Euro und mehr.

Aufgabebilanz Vorlage bei Geschäftsaufgabe und Veräußerung von Wirtschaftsgütern

Die Erstellung einer Aufgabebilanz ist immer zum Zeitpunkt der Veräußerung der Wirtschaftsgüter bzw. zum Zeitpunkt der Überführung der Wirtschaftsgüter in das Privatvermögen vorzunehmen. Wird der Betrieb veräußert, muss die Besteuerung des Veräußerungsgewinns bzw. des Veräußerungsverlustes immer in dem Jahr vorgenommen werden, im dem das Unternehmen veräußert wurde. Dabei ist der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht zu berücksichtigen, sondern alleine der Zeitpunkt des Übergangs des wirtschaftlichen Eigentums ausschlaggebend.

Nachfolgendes vereinfachtes Schema ist dabei nach § 16 Abs. 2 und 3 EStG anzuwenden:

  • Wert der Wirtschaftsgüter, welche in das Privatvermögen übergehen (bei Betriebsaufgabe)
  • zuzüglich Verkaufserlös der verkauften Wirtschaftsgüter (bei Betriebsveräußerung oder Verkauf der Restbestände)
  • abzüglich Buchwert des Betriebsvermögens (Bewertungszeitpunkt ist die Beendung der unternehmerischen Tätigkeit)
  • abzüglich Kosten der Betriebsveräußerung oder –aufgabe (z.B. Gutachter- und Beraterkosten, Notar, Provisionen)
  • ergibt den Veräußerungsgewinn oder Betriebsaufgabegewinn

Betriebsaufgabe zeitlich gestreckt

einzelunternehmenOftmals erstrecken sich die Arbeitsabläufe für eine Betriebsaufgabe über einen längeren Zeitraum. Trotzdem ist die Aufgabebilanz zu einem bestimmten Zeitpunkt abzuschließen, da der Gewinn oder Verlust der Betriebsaufgabe zu einem gesetzlich bestimmten Zeitpunkt zu ermitteln ist. Der Aufgabezeitpunkt der unternehmerischen Tätigkeit hingegen ist nicht gesetzlich bestimmt und kann frei gewählt werden. Allerdings sollte zweckmäßigerweise die Beendung der unternehmerischen Tätigkeit auch als Zeitpunkt zur Erstellung der Aufgabebilanz gewählt werden. Für die Höhe der Gewinnrealisierung ist allerdings auch die Höhe der in das Privatvermögen übergehenden Werte des Betriebsvermögens verantwortlich. Hier kann ein geschickt gewählter Zeitpunkt die Höhe des zu versteuernden Gewinns reduzieren, wenn zum Beispiel das Inventar bereits komplett abgeschrieben ist.

Nur Einzelunternehmen können einen Auflösungsverlust, welcher aus einem Negativwert der Buchwerte abzüglich der Auflösungskosten resultiert, bei der Einkommenssteuer nach den geltenden Regeln des Verlustausgleiches steuerlich geltend machen. Ebenso können Verlustvorträge nur vom Einzelunternehmer geltend gemacht werden. Ein eventuell vorhandener Gewerbesteuer Verlustvortrag hingegen verfällt bei der Betriebsaufgabe.

Nicht bilanzierungspflichtige oder nicht buchhaltungspflichtige Steuerpflichtige, welche ihre Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG nach einer Einnahme – Überschussrechnung vornehmen, müssen bei einer Betriebsaufgabe zum Betriebsvermögensvergleich lt. § 4 Abs. 1 EStG wechseln und eine Aufgabebilanz erstellen. Siehe dazu auch das BFH-Urteil vom 17.04.1986. Der Übergang zum Betriebsvermögensvergleich von der Einnahme – Überschussrechnung zieht einige Berechnungen nach sich, welche für den Nichtfachmann kaum nachzuvollziehen sind. Daher sollte der Wechsel möglichst von einem Steuerberater oder einer anderen Fachkraft verbucht werden.